Suche 3 Zimmer, Küche, Watt auf Sylt

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Suche 3 Zimmer, Küche, Watt auf Sylt

Will ein Haus auf Sylt haben. Und hier bleiben. Will hier bleiben und dann ein Haus haben. Fest steht: ich ziehe aus der Ferienwohnung einfach nicht aus. Zum Zeitpunkt der Schlüsselübergabe bin ich definitiv verhindert. Die können meine Sachen nicht einfach rausschmeißen. Ich bin kurz am Strand oder so. Kann länger dauern. Irgendwann werden sie aufgeben und sich sagen „was soll’s, die Wohnung können wir unmöglich weitervermieten. Überall liegen Zeitschriften herum, halbleere Sonnencremetuben, eine angebrochene Aperolflasche und im Kühlschrank ist noch Bier. Sieht nicht so aus, als ob hier jemand abreist“. Sie werden es dann einfach vergessen und schon bin ich Dauergast in Munkmarsch.

Mein Haus auf Sylt. So könnte es aussehen :-)
Mein Haus auf Sylt. So könnte es aussehen 🙂

Es ist mein erstes Mal in Munkmarsch und jedes Mal, wenn ich ein neues Dorf auf Sylt besuche, ist es, als würde ich die Insel wieder ganz neu entdecken. Es liegt auf der Wattseite in der Nähe von Keitum, hat einen kleinen Hafen, das 5-Sterne-Hotel Fährhaus Sylt und an Calles Beach kann man in Sylts erster Surfschule alles lernen, was man auf dem Wasser so lernen kann. Sogar segeln. (www.syltsurfing.de).

Als ich unsere Wohnung betrete, bin ich sofort verliebt. Ganz schnuckelig unter Reet und ich schlafe unter’m Dach in einem weißen Zimmer mit rot-weiß gestreiften Gardinen vor kleinen, weißen Sprossenfenstern und sehe den Hafen, das Fährhaus und das Meer.

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Ich schlafe himmlisch bei offenem Fenster und rieche die Seeluft. Und dann der Morgen: die kleinen Fenster mache ich ganz auf und der Himmel ist immer blau, der Hafen ist noch da. Ich könnte quieken. Schnell ein Kleidchen übergezogen und der große Sohn (8) findet neuerdings Gefallen daran, morgens Kaffee zu machen. Ich komme also runter und es duftet schon nach Kaffee, ich glaub ich träume, nein, der Kaffee ist tatsächlich noch heiß und ich setze mich mit der ersten Tasse auf die Terrasse in die Sonne, es ist schon etwas warm, aber auch erfrischend, genau richtig halt, so wie es nur auf einer Insel sein kann… es geht ein leichter Wind, es duftet nach Nordsee und ich werde langsam wach und lese etwas.

Der erste Kaffee am Morgen. Draußen. Unbezahlbar.
Der erste Kaffee am Morgen. Draußen. Unbezahlbar.

Der perfekte Morgen. Der beste Moment des Tages. Es kann nichts mehr schief gehen.

Sehr erfreut waren wir auch, dass Munkmarsch sogar einen kleinen Strandabschnitt hat. Nicht sehr breit, aber um mal kurz ne Runde zu buddeln und sich ans Meer zu legen, ist es völlig ok. Gleichzeitig ist der Strand ein Reitweg und regelmäßig zuckelt eine Truppe von Reitern an einem vorbei, daher Augen auf beim Sandburgenbau!

Bucht von Munkmarsch. Hier ist man unter sich.
Die Bucht von Munkmarsch. Hier ist man unter sich.

Wolke 7: seventhsky

Wenn ich nicht gerade auf der Terrasse oder am Strand sitze, bin ich auch viel in der Dropzone. Die ist in Westerland auf dem Flugplatz, Halle 74. Dort tummeln sich die Fallschirmspringer. Einer von Ihnen sitzt neben mir auf dem Sofa, weshalb ich dann mitgehangen mitgefangen auch oft sehr chillig auf dem Flugplatz abhänge und auf die nächste Load warte. Also auf die nächste Maschine mit der nächsten Ladung Wahnsinniger, die dann aus 4.000 Metern Höhe über Sylt abspringen. Im Moment ist hier nämlich wieder der „Boogie“, das bedeutet: noch größeres Flugzeug, noch höher fliegen, noch tiefer fallen.

Die finden das aber alle wahnsinnig lustig und man muss es sich so vorstellen: die Maschine erreicht also die Flughöhe von 4.000 Metern, wird langsamer und die Tür geht auf. Ist jetzt nicht so, dass die sich alle langsam Richtung Tür bewegen, sich auf die Kante setzen (so wie ich bei meinem ersten Tandemsprung vor vier Jahren, bei dem ich kurz vor der Landung ohnmächtig wurde, was natürlich nicht an meiner schlechten körperlichen Verfassung, sondern an meinem Tandemmaster lag, der ganz ok aussah und dem ich ja sozusagen auf dem Bauch geschnallt war…) und dann vorsichtig abspringen. Es läuft so: sobald die Maschine langsamer wird, stehen alle auf (mit Ausnahme der Erstlings- Tandemspringer, die zitternd am Boden sitzen), rennen förmlich zur Tür, als wären sie tagelang im Flugzeug gefangen gewesen und jumpen im Laufschritt fröhlich aus dem Flugzeug, hui!! Als würden sie vom 3-Meter-Brett springen. Dabei machen sie lustige Choreographien und filmen sich dabei, denn nur stumpf fallen ist natürlich zu öde.

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Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen: es lohnt sich in jeder Hinsicht!

Der Rundflug über Sylt, der zwangsläufig inklusive ist, ist einmalig schön!
Wenn man erstmal gesprungen ist, ist das Schlimmste vorbei und man kann es tatsächlich genießen.
Die Tandemmaster sind alle gut drauf, haben Spaß und Ahnung. Man muss (eigentlich) keine Angst haben.
Man sollte vorher genug essen, auch wenn man aufgeregt ist (kurz vorher ein Snickers oder ne Cola, Hauptsache Zucker.)

Fallschirmspringen auf Sylt kann man von April bis Oktober immer an den Wochenenden aus einer Höhe von ca. 3.200 Metern. Hoch auf 4.000 Meter geht’s dann immer zum „Boogie“, der immer im Sommer zwei Wochen stattfindet. Dann trifft sich die Szene, trainiert, bietet Tandemsprünge an, feiert und hat Spaß. Gestern Abend war Bergfest und es gab eine Party. Die Frage des Abends, die mir gestellt wurde, lautete nicht immer: Wie heißt Du? Sondern sehr oft: In welcher Load bist Du morgen? Ich dachte nur: Stürzt ihr Euch nur morgen früh mal alle aus dem Flugzeug. ich sitze derweil mit einem Käffchen auf meiner Terrasse und sehe über mir die Maschine und dann Eure Fallschirme kreisen. Das sieht schön aus und reicht mir für den Moment. Möchte jemand noch ein Pils?

Eine Woche Sylt ist vorbei, das ist die schlechte Nachricht. Gut ist: es kommt noch eine! ich gehe jetzt hoch unter’s Dach und sage: Gute Nacht Munkmarsch.

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