Solo am Kap…Life’s better in Bikinis

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Solo am Kap…Life’s better in Bikinis

Bämm!! Back to Hamburg. Ich war ja nur zwei Wochen in Kapstadt, fühlt sich aber an wie vier. Nicht nur die schlappen 20 Grad Temperaturunterschied machen mir irgendwie zu schaffen, sondern vor allem das Fernweh. Nicht falsch verstehen. Ich liebe Hamburg. Aber wenn man wegfährt, wird das Fernweh absolut überhaupt nicht gestillt. Im Gegenteil, es wird entfacht oder?

In Gedanken gehe ich die nächstmöglichen Schulferien durch. Ok, kann man was draus machen. Allerdings bin ich mit meinen Gedanken schnell am Ende, wenn ich mir meine Urlaubstage anschaue. Komme in diesem Jahr erstmalig definitiv nicht damit hin. Und es wird nicht besser. Plan B muss her.

Cape Town's Waterfront
Cape Town’s Waterfront

Aber jetzt erstmal Südafrika und wie es war. Es stand ja schon so lange auf meiner Sehnsuchtsliste!

Schon einen Tag nach meiner Ankunft schämte ich mich für die Gedanken und Vorstellungen, die ich vorher über das Land hatte. Ich war wohlbehalten in meinem Hostel angekommen, nicht überfallen und beklaut worden. Krass, ich muss echt Riesenglück gehabt haben. Tagsüber bin ich einfach so als Frau (!) alleine (!) durch die Straßen gelaufen, habe Fotos mit meinem neuen iphone gemacht und niemand hat es mir aus der Hand gerissen.
Ich hatte keine Gürteltasche um (was zuviel ist ist zuviel), sondern meine Sachen in meiner Handtasche, die auch in Hamburg benutze. Niemand hat mich kriminell angeguckt, alle waren sehr sehr freundlich und ich habe noch viele andere Menschen wie mich gesehen, die waghalsig allein durch Kapstadt flanierten.

Und dann die Einheimischen. Der Taxifahrer auf dem Weg in meine Unterkunft war so gut gelaunt, so redselig, so „hey sis‘, give me five“! So halt. Meine Bedenken waren sofort verflogen und er fuhr mich durchs abendliche, schon dunkle Kapstadt, Palmen rechts und links, Lichter, der Hafen, die warme Luft…seufz.

Vergnügungsmeile Waterfront - und immer die Berge im Hintergrund, ich habe es geliebt!
Vergnügungsmeile Waterfront – und immer die Berge im Hintergrund, ich habe es geliebt!

Ich war aufgeregt und glücklich und so dankbar, dass ich endlich da war. Und ja, man wird oft um Geld angebettelt, aber wenn man nichts gibt und nicht reagiert, passiert: nichts. Nicht mehr und nicht weniger als in Hamburg. Hier werde ich auch oft angebettelt. Auf der Straße und sogar in der S-Bahn. Und es gibt auch in Kapstadt muffelige Taxifahrer, wie es sie überall gibt. Am besten macht man vorher einen Preis aus. Und alle haben sich daran gehalten.

Ansonsten, ich weiß nicht wie ich’s anders sagen soll, sind die Menschen dort zum größten Teil einfach verrückt und lebensfroh. Die laufen einfach so rechts und links neben der Autobahn. Oder überqueren die Autobahn. Die nehmen halt einfach den kürzesten Weg auf die andere Seite. Mal nen kurzen Powernap in der Mittagspause halten? Aber wo? Einfach auf den Bürgersteig legen! Am ersten Tag war ich erst etwas beunruhigt, weil ziemlich oft Leute auf den Gehwegen lagen und offensichtlich schliefen oder dösten. Soll ich einen Arzt rufen? Ist das denn nicht zu schmutzig? Irgendwann gewöhnte ich mich daran. War kein Park in der Nähe, lagen sie eben einfach irgendwo. In Anzughose, in Arbeitskleidung. Normal.

Ich vermisste absolut nichts. Man sollte allerdings nicht abends allein umherziehen als Frau und auch nicht als Mann. Schon gar nicht in bestimmten Gegenden. Nehmt dann ein Taxi und lasst Euch direkt bis vor den Club bringen, bestellt im Club ein Taxi, wartet bis es da ist und geht dann raus und zwar direkt ins Taxi. Das gilt zum Beispiel für die Long Street. Ich würde die jetzt mal großzügig mit dem Kiez vergleichen, nur in gefährlicher.

Aber an der Waterfront z.B., eine Art südafrikanische Fisherman’s Wharf (hat mich irgendwie an San Francisco erinnert) mit Hafen, Pubs und schicker Shoppingmall könnt ihr abends auch so losziehen. Das Vergnügungsviertel liegt in Green Point, daran angrenzend ist der Stadtteil Sea Point. Beides ist safe. In Green Point befindet sich auch das Stadion, das 2010 für die Fußball-Weltmeisterschaft gebaut wurde. Und schräg gegenüber war für 2 Wochen mein Zuhause: im Hostel Never at home.

Sometimes I wish to be…never@home
Sometimes I wish to be…never@home

Wirklich mein Zuhause. Meine kleine Family. Ich hatte immer jemanden zum quatschen, Leute kamen und gingen, aber es war immer jemand da, mit dem ich ein Bierchen trinken konnte. In der Hosteleigenen Bar auf der Terrasse. Danke auch nochmal an Juan, den Küchenchef, für sein leckeres Frühstück und immer nette Worte ;-). Ich kann das Hostel auf jeden Fall sehr empfehlen. Man kann zu Fuß zur Waterfront oder auch ins Zentrum laufen und vor der Tür fahren die Busse los.

Im Green Point Park - im Hintergrund das Stadion
Im Green Point Park – im Hintergrund das Stadion

Ich werde hier jetzt wie immer keine ausführlichen Beschreibungen zu Touristenattraktionen liefern. Kann man in jedem Kapstadt-Reiseführer nachlesen, ich muss das nicht auch nochmal herunterbeten. Daher nur das was ich noch gemacht habe und auch immer wieder machen würde.

Table Mountain

Absoluter Klassiker, aber unvermeidbar: Hoch auf den Tafelberg, zu Fuß oder mit der Gondel. Nimm eine Flasche Wein mit, such Dir eine ruhige Ecke mit Blick auf die Stadt und genieße die Aussicht. Nimm jemanden mit, der ein wenig crazy ist und fangt an zu philosophieren. Darüber, ob Euer Leben wirklich so weitergehen kann..? 😉 Macht ein paar B-Pläne. Nehmt danach die Gondel (!) runter, die letzte fährt um 19 Uhr. Und macht witzige Fotos. Ich werde bei meinem nächsten Besuch wieder hoch gehen. Es lohnt sich so!

On top of Table Mountain! Unglaublich schön!
On top of Table Mountain! Unglaublich schön!

Beachlife

Chill mal am Strand. Vergiss mal für einen Nachmittag all das, was auf deiner Liste steht, was Du Dir noch ansehen willst. Ich werde immer etwas unruhig, wenn ich noch nicht alles geschafft habe. Aber den Strand genießen, schließlich hat man Urlaub, ist ja nicht nichts tun! Vor allem wenn in Deutschland Herbst ist. Mit dem Taxi oder auch dem Minibus (öffentliche Busse und superbillig!) bist Du in 15 Minuten an den schönsten Stränden.

Camps Bay Beach - und Du willst nie mehr weg….
Camps Bay Beach – und Du willst nie mehr weg….

Clifton Bay oder Camps Bay sind nah und superschön. In Camps Bay („Reich & Schön“) gibt’s viele Restaurants und Bars mit Meerblick, schicke Hotels und und und…Ich konnte es da sehr gut mal einen Nachmittag aushalten und aufs Meer schauen. Im Hintergrund wachen die Zwölf Apostel, sind angeblich aber 17. Egal, die Skyline ist wunderschön. Schon zwei Bekannte von mir haben mir das Fischrestaurant Codfather dort empfohlen, habe es leider nicht mehr geschafft, dort hinzugehen. Aber der Tip ist vertrauenswert, denn beide sind „Fischköppe“ und wissen wovon sie reden. 🙂

…nochmal Camps Bay Beach! Live on...
…nochmal Camps Bay Beach! Live on…

Stürmisch, aber auch echt sehenswert ist der Bloubergstrand. Der Hot Spot für Kiter und Surfer und andere Verrückte.

Bloubergstrand - des Kiters liebstes Plätzchen
Bloubergstrand – des Kiters liebstes Plätzchen

Wahnsinnswellen, Blick auf den Tafelberg und Action. Zum Sonnenbaden bei Wind eher ungeeignet, dafür bekommt man aber ein Super-Peeling für lau und weiche Haut. Nach 2 Tagen hatte ich dann auch endlich den Sand aus alle Poren geduscht. Die Busstation ist Table View und man kann mit den großen City-Bussen dort hinfahren. I like that place.

Whalewatching in Hermanus

Miete Dir ein Auto und fahre unbedingt nach Hermanus, es sind ca. 2 Autostunden von Kapstadt. Der Ort liegt an einer superschönen Küste und ist dafür bekannt, dass man dort die große Chance hat, Wale zu sichten. Einfach so, vom Ufer aus. Ich habe kein Glück bei sowas. Nicht ein Wal. Nicht mal ein Delfin. Allerdings habe ich mir danach sagen lassen, dass die Wale eher morgens und vormittags da sind. Also eher was für den Early Bird. Aber das nächste Mal würde ich dafür auch um sechs aufstehen. Dennoch lohnt sich die Fahrt dahin auf jeden Fall. Es gibt einen tollen Fußweg die Küste entlang bis zum Hafen von Hermanus, von wo aus auch die Whalewatching-Boote starten. Im Ort kann man durch ein paar Geschäfte bummeln und es gibt viele Restaurants, Cafés und schnieke Hotels mit Meerblick. Hermanus ist auf jeden Fall auch was für einen Wochenendtrip von Kapstadt aus. Da würde ich mich gern mal 2 Nächte einnisten.

Wunderschön hier: Hermanus
Wunderschön hier: Hermanus

…hey Pinguin, was machst Du denn hier?

Auf dem Rückweg lohnt es sich, noch einen Abstecher zur Stony Point Pinguin Colony zu machen, in Betty’s Bay. Dort kann man Pinguine in freier Natur sehen und nah an sie herankommen. Für kleines Geld (rund 1,50 Euro) hat man auch die Möglichkeit noch mehr von den Viechern zu sehen. Vergleichbar mit dem berühmteren Boulders Beach, nur ist es in Betty’s Bay weitaus ruhiger und es gibt noch einige frei lebende Pinguine, die ich in Simon’s Town am Boulders Beach nicht gesehen habe. Dort herrscht ein wenig Zooatmosphäre. Obwohl es dort auch hunderte von süßen Pinguinen gibt. Ich habe mir beide Kolonien angeschaut. Pinguine kann man ja nie genug gucken.

Zum Anfassen nah, so süüüüsss!
Zum Anfassen nah, so süüüüsss!

 

Townships – not the bright side of life

Ein Township wollte ich auf jeden Fall auch besuchen. Zumal man die Orte zum größten Teil auch von der Autobahn aus sieht, nur 10-15 Minuten von der City entfernt. Auch habe ich noch nie Vergleichbares gesehen und der größte Teil der Bevölkerung in Kapstadt lebt in diesen Townships. Ich wollte gerne auch das sehen, um mein Bild komplett zu machen. Mit African Eagle buchte ich eine Halbtagestour. Wir, ein Franzose und ich, waren an dem Tag nur zu zweit, wurden an unseren Unterkünften abgeholt und besuchten im Rahmen der Tour zunächst das District Six Museum. Dort erfährt man alles über die Entstehung der Townships. Dann steuerten wir das erste an. Auf dem Weg dorthin unterhielten wir uns noch ganz fröhlich, bis unser kleiner klimatisierter Bus mit W-Lan (warum auch immer) plötzlich anhielt. Wir sollten aussteigen, denn nun stand ein 1-stündiger Spaziergang durch den Ort an, geführt von einer Bewohnerin. Wir verstummten auf der Stelle. Vor uns mehrere Feuerstellen, an denen Big Mamas Ziegenköpfe grillten. Mir war ehrlich gesagt nicht ganz klar warum und was genau die taten, denn ich konnte kaum Luft holen. Die Szene sah so furchterregend aus, wir dachten, wir wären in einer Filmkulisse. Der Franzose und ich, wir haben so dämlich geguckt, bis der Guide uns sagte, wir dürfen ruhig Fotos machen. Von allem. Für die Bewohner wäre das ok.

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Ehrlich gesagt roch es auch seltsam und mit gemischten Gefühlen zuckelten wir los. Wir lernten, dass das Township in drei verschiedene „Schichten“, von ganz arm bis einigermaßen ok („Beverly Hills“ nannten sie das), aufgeteilt ist, es Kirchen, Schulen und Kindergärten gibt. Ich habe Schulkinder in Uniformen gesehen, lachende Kinder, alles ganz normal soweit. Aber diese verfallenen Häuser, dieser Dreck, kaputte Autos und diese sehr engen Wohnungen (eine Familie lebt in einem Zimmer) haben mich noch am nächsten Tag bedrückt.

Wir waren dort auch im Kindergarten (der aus einem Raum mit Spielsachen bestand): wir kamen herein, supersüße lachende Kinder, und es passierte das: wie ferngesteuert liefen alle Kinder zur Wand, stellten sich nebeneinander und: Cheese! Verdutzt holten wir die Kamera heraus. Und machten wie tausend andere dämliche Touristen vor uns ein Foto der Bande. Die lachten, freuten sich, nahmen mich an die Hand, hingen an meinem Bein.

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Ich war sehr dankbar an diesem Tag für das Leben, das ich habe. Den Franzosen habe ich zufällig zwei Tage später wieder getroffen, am Kap der guten Hoffnung. Auch krass. Wir nur so: Na, gut erholt? Am Tag der Tour hatten wir uns nicht mal verabschiedet. Ich bekam kaum mit, wie er ausgestiegen ist. Irgendwie waren wir beide sprachlos.

Cape Point und Cape of Good Hope…

…natürlich nicht gerade ein Geheimtip aber auch ein absolutes Must! Von Kapstadt entlang der Küstenstraße (tolle Aussicht) sind es nur knapp 50 Kilometer und es gibt immer mal wieder süße Orte zum Anhalten. Man zahlt Eintritt in den Nationalpark Cape of Good Hope und kann sich dort bis 19 Uhr aufhalten. Der Blick vom Südende ist super!!

Cape Point! Und alle so yeah!
Cape Point! Und alle so yeah!

Mich hat das Land auf jeden Fall richtig gepackt.

Ich kann es gar nicht an speziellen Punkten, Orten, Sehenswürdigkeiten festmachen. Es hat mich einfach geflasht. Die relaxte Atmosphäre dort, die Strände, der Wind, die Weite überall, soviel Platz! Die Kombination aus Stadt, Meer und den Bergen. Table Mountain, Lions Head, Signal Hill. Die Kulisse ist einzigartig und überall, wo man ist, findet man sie. Ich konnte mich nicht sattsehen. Für mein Empfinden wunderschön. Und dann natürlich auch die Menschen, die mir dort begegnet sind. Ich habe keine einzige schlechte Erfahrung gemacht, im Gegenteil. Ich denke, ich kann sogar sagen, dass ich sehr glücklich war, unbeschwert, ganz bei mir und diesem Land. Noch immer hüpft mein Herz, wenn ich Bilder von Kapstadt und Südafrika sehe. Mein Gefühl, dorthin zu wollen, war richtig. Die Sehnsucht ist nun jedoch viel stärker geworden und der Gedanke, wieder hinzufahren, ploppt regelmäßig hoch. Lange werde ich nicht warten. Ich möchte das Land so schnell es geht meinen Kindern zeigen.

Aber ich wurde ja gewarnt: Als ich nach meiner Ankunft in Kapstadt am Flughafen abgeholt wurde, sagte der Fahrer zu mir: „Du hast Glück, der Sommer hat gerade begonnen. Du bist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber eins musst Du wissen: Wenn Du in 2 Wochen wieder abreist, wirst Du weinen. Oder hier bleiben. Es gibt nur zwei Möglichkeiten.“

Ich habe geweint. South Africa.

Verliebt. Ich auch….

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