Positano, Du Göttliche. Ein Liebesbrief.

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Positano, Du Göttliche. Ein Liebesbrief.

Ich war ja im Prinzip schon der Liebe wegen dorthin geflogen. Aber doch nicht wegen meiner. Zwei Menschen haben sich an diesem wunderbaren Ort das Ja-Wort gegeben. Ich verstand erst da, warum ausgerechnet dort. Warum wir alle für eine Hochzeit nach Italien geflogen sind. Man hätte doch genauso gut auch zu Hause…das hätte man natürlich. Aber es wäre nicht das Gleiche gewesen.

Ungefähr ein Sunde dauert es vom Flughafen in Neapel nach Positano an der Amalfiküste. Wie das schon klingt! Nach Capri, Sonnenuntergängen, Romantik, Zitronenbäumen, Zypressen, großen Sonnenhüten, noch größeren Sonnenbrillen und Strandtaschen, an denen bunte Tücher geknotet sind. Nach Sonnencreme, Champagner, Eiscreme und verliebt sein.

Die erste Teil der Autofahrt war noch ziemlich unspektakulär. Mit Mietshäusern bebaute Vororte, Armut, zerfallene Häuser. Bis sie unerwartet auftaucht. Die Steilküste der Amalfiküste. Plötzlich werden die Straßen enger. Kurviger. Es geht bergauf. Kurve um Kurve. Immer derjenige hatte eine große Klappe, der im Wagen zur Innenseite der Straße saß. Denn der andere saß scharf am Abgrund. Das muss man abkönnen. Ich konnte es und zwar sehr gut, denn die Aussicht war schon vom Auto aus gigantisch. Kleine Buchten, Zypressen, knallblaues Wasser und jede Menge leidenschaftliche Italiener, die uns von links auf ihren Vespas überholen mussten. Und das konnten sie gut.

Der Südstrand von Wilhelmshaven
La spiaggia – Der Hauptstrand von Positano

 

Es war nicht direkt Liebe auf den ersten Blick. Wir schlängelten uns zum Hotel vor, welches sich ebenfalls an einer kurvigen Straße befand. An den Berg gebaut, man könnte auch sagen, mit dem Berg verschmolzen, wie eigentlich alles hier. Die Rezeption im 6. Stock, zum Zimmer vier Etagen runter, einen langen Gang entlang und wieder ein Stockwerk hoch. Ich hatte keine Chance. Mein 9-jähriger Sohn dagegen schon, ein Orientierungssinn wie ihn nur ein Mann haben kann. Auf dem Zimmer wartete dann aber die Belohnung: eine Aussicht zum Niederknien.

Der Südstrand von Wilhelmshaven
Zimmer mit View

 

Und da wollten wir runter. An den Strand. Ich kann ja gar nicht anders, als zuerst den Strand zu erkunden. In meiner Logik hieß das hier: einfach immer bergab. Irgendeine Treppe wird uns schon dorthin bringen. Es gibt sehr sehr viele Treppen in Positano mit sehr sehr vielen Stufen. Viele führen aber ins Nichts, in eine Villa, in eine Sackgasse. Das schmerzt, wenn man alles wieder hochstiefeln muss. Romantik hin oder her, auch wenn der Italiener sich das sicher anders gedacht hat, aber mir hat es irgendwann gereicht. Wozu gibt es Google Maps. Ich hatte zwar ein Smartphone in der Hand, aber immerhin kamen wir so ans Ziel.

Der Südstrand von Wilhelmshaven
Auf dem Weg zum Strand

 

Der Südstrand von Wilhelmshaven
Typisch bunte Türen in den winzigen Gassen von Positano

 

Und es fing an, Spaß zu machen. Sich durch die Treppenviertel zu schlängeln, immer gespannt, was sich hinter der nächsten Biegung verbirgt. Dabei immer der unglaubliche Blick auf die Bucht und das Meer, die prächtigen Blumen und Pflanzen, die uns umgaben. Für einen Moment habe ich mich gefragt, ob das wirklich alles echt ist oder wir uns in einer Filmkulisse befinden. Wäre das alles so nicht entstanden, man hätte es künstlich erschaffen müssen, als Drehort für romantische Liebesschnulzen oder als Tourismus-Spot für Asiaten und Amerikaner. Davon waren dort einige unterwegs, allerdings absolut im Rahmen. Im Sommer platzt die Region angeblich aus allen Nähten.

Mein Herz richtig erobert hat Positano allerdings erst am Abend.

Der Südstrand von Wilhelmshaven
 

Ich war selbst nicht darauf vorbereitet. Wir waren essen und es wurde schon dunkel. Das Restaurant lag (natürlich) an der Straße, die Tische standen auf der gegenüberliegenden Seite an der Steilküste. Ich saß so, dass ich die Bucht, den Strand und tausend Lichter im Blick hatte. Lichter von Häusern und Ortschaften, die sich am Berg versammelt hatten. Es war mild. Hinter meinem Rücken rasten die Motorroller und Busse an mir vorbei. Und zwar knapp. Die Straße war nicht besonders breit. Aber sie reichte. Irgendjemand hatte sie gebaut, weil er dachte, hier ist es so wunderschön, dass man es den Menschen zeigen muss. Vermutlich war es nicht so. Ein bisschen wahr ist aber, dass die Zeit dort stehen geblieben ist. Im Italien der Fünfziger Jahre, wie ich es mir vorstelle. Wo junge Männer ihre Mädchen auf der Vespa abholen, die Kleider mit Punkten tragen und Bikinis mit Rüschen, die dann gemeinsam Eis essen und abends genau dort, wo ich saß, Pasta essen und Wein trinken. Kurz überlegte ich wieder, ob die Kulisse echt ist. Nein, zuviel Wein hatte ich definitiv nicht getrunken. Das war Italien, wie es mehr Italien nicht sein konnte. So ursprünglich. Und ich konnte nur dort sitzen und es genießen. Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass ich in diesem Moment sehr glücklich war. So ein Glücksmoment, auf den man nicht gewartet hat, der plötzlich einfach da ist und in dem ich gedacht habe: „Ich kann nicht fassen, dass ich heute Morgen in Hamburg losgeflogen bin, offensichtlich ohne mein Wissen eine kleine Zeitreise gemacht habe und nun hier sitze und alles ist schön.“

Die Terasse der Villa Magia

The kids are alright

 

Ich muss nicht erwähnen, dass auch die Hochzeit am nächsten Tag ein Traum war. Ich bin verzaubert von diesem Italien, wie es sich mir gezeigt hat, vom Nicht-satt-sehen-können dieser Küste, der Schönheit, dem Besonderen. Dies ist kein Ort für einen Strandurlaub. Die ist ein Ort zum Entdecken, zum Innehalten, zum Verlieben. Romantischer Kitsch? Bitte gerne! All das wirst Du dort finden, aber nicht gekünstelt, sondern es ist einfach da. Wer sich drauf einlässt, wird vermutlich einen Teil seines Herzens dort lassen. Und ein wenig verliebt wieder nach Hause fahren.

Villa Magia Positano
Amalfi Coast – Positano

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