Orangensorbet in Port de Sóller

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Orangensorbet in Port de Sóller

„Mama, warum fahren wir nicht einfach zwei Wochen nach Mallorca? In Port de Sóller war es doch so schön warm“! Hamburg, 18. Juni, 17 Grad, Regen. Wir sitzen drin und gucken in den Garten. Ist jetzt nicht so, dass es noch gar nicht warm war, es gab durchaus schon schöne, ja sogar heiße Tage, aber es waren einfach zu wenige. Das ist doch kein Sommer! Bild 1Ja, Mallorca, das stimmt, da ist es jetzt richtig gut, aber die Schule…? Grütze. In den letzten Herbstferien waren wir alle das erste Mal zusammen auf Malle. Nachdem ich vorher mit einer Freundin ebenfalls das erste Mal den Westen der Insel bereist hatte, war ich geflasht, verliebt und absolut begeistert von soviel Schönheit! Einfach ein Träumchen diese Westküste. Ich wollte unbedingt wieder hin. Aber so richtig mallorquinisch sollte es sein, inmitten von Olivenbäumen, Zitronen, viel Natur drumherum, Strand in der Nähe wäre schön, muss aber nicht. Ist ja auch schwierig im Westen, also was wollen wir denn jetzt? Strand und Kinderbespaßung, dann müssten wir in Palma rechts abbiegen und rüber machen. Oder links herum mit etwas weniger Kindergedöns, dafür traumhaften Landschaften und spanischen Restaurants jenseits von deutschen Schnitzelhäusern. Wir also nach links. Port de Sóller im Nordwesten sollte es werden und gebucht hatten wir ein einfaches, aber sehr schönes Finca-Hotel: Muleta de Ca S’Hereu.

Das Finca-Hotel Muleta de Ca S'Hereu
Das Finca-Hotel Muleta de Ca S’Hereu

Acht Zimmer und zwei Appartements, von denen wir eines hatten, ein Außenpool (kalt!), ein Esel, ein Hofhund, eine Hofkatze, eine wunderschöne Anlage mit Olivenbäumen und vor allem: ein Wahnsinnsblick auf Port de Sóller und Ruhe Ruhe Ruhe…

Der Hofhund. Love at first sight.
Der Hofhund. Love at first sight.

Der Blick in die Bucht von Port de Sóller
Der Blick in die Bucht von Port de Sóller

Der Blick, genau. Den hatte man natürlich nur von oben, wo die Finca stand. Und da musste man erstmal hin mit 4 Personen, Gepäck und unserem Mietwägelchen. Schon bei der Urlaubsvorbereitung wies man uns in diversen Foren darauf hin, der Wagen sollte nicht zu groß sein und die Anfahrt sei nichts für schwache Nerven, sondern ein Abenteuer. Yess! Bestimmt übertreiben die alle dachte ich noch. Wo ein Hotel ist, muss man ja wohl auch ordentlich hinkommen! Kam man natürlich auch, aber es war in der Tat nicht unsteil, der Weg schmal und der Abgrund naja..so zuckelte man ungefähr 20 Minuten den Berg hoch, in der Kurve war bremsen absolut verboten, sonst hatte man ein Problem. Komischerweise kam uns an den besonders engen Stellen nie ein Auto entgegen und ich fragte mich jedes Mal, wie wir so ein Glück haben konnten.

Als wir das erste Mal den Berg erklommen hatten und ausstiegen, war der erste Kommentar von Paul: Also ein Kinderhotel ist es nicht gerade! Uns wurde kurz mulmig, hatten wir doch einen Fehler gemacht? Mal schnell zum Strand is hier nich, es gab keine Rutsche, keinen Spielplatz, kein Kiosk, kein Eis. Wonach auch nach fünf Minuten keiner mehr fragte. Denn es gab Bäume zum klettern, den Esel und die anderen Tiere. Stöcker und Steine, keine Fliesen. Das alles klingt jetzt so super duper romantisch, als bräuchten Kinder ja gar nix außer Fantasie und als wollten wir auch sofort in einen Bauwagen ziehen und den ganzen Konsum hinter uns lassen. Nein, so nicht. Ich bin die erste, die sich irgendwo einen Latte zum Mitnehmen holt, wenn es die Möglichkeit gibt. Doch da oben, wo es das einfach nicht gab, wo es nur das Hotel gab, in dem man sich einen anständigen Kaffee bestellen konnte, den man in Ruhe auf dem Hof zwischen den Bäumen trinken konnte, da hat uns nichts gefehlt. Und den Kindern auch nicht. Es herrschte eine Ruhe dort, die einfach nur himmlisch war. Das Hotel war ausgebucht, was man bei nur 8 Zimmern nicht merkt. Morgens frühstückte man draußen an kleinen Bistrotischen auf Kiesboden, der nächste Tisch war nicht mal in Hörweite. Es gab Melone und Erdbeeren, ab und zu kam die Katze und schnorrte sich ein Scheibchen Wurst. Und immer diese unglaubliche Aussicht ins Tal dazu.

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Pool mit View
Pool mit View

Mittags fuhren wir dann immer die steile Straße runter in den Ort zum Schwimmen, im Sand buddeln, Eis (!) essen, bisschen bummeln und gucken. Port de Sóller liegt an einer hübschen Bucht, auf der einen Seite mit einem schönen Sandstrand und einer neu gestalteten Promenade, auf der anderen Seite ist der Hafen mit dem älteren Teil des Ortes. Dort ist es etwas wuseliger und nicht ganz so herausgeputzt, aber trotzdem charmant und es gibt sehr gute Restaurants zum Fisch essen. Die ganze Bucht (falls es jetzt weit klingt) ist in nur einer halben Stunde abgelaufen.

Auf halber Strecke ist der Laden Fet a Sóller, in dem man Produkte aus Soller, Mallorca und den Balearen kaufen kann. Berühmt ist dort das Orangensorbet, hergestellt aus Orangen der Region und ein Zwischenstopp dort ist sozusagen nicht zu vermeiden. Einen weiteren Laden gibt es auch im „Hauptort“ Sóller. Wer das ganze Olivenöl nicht nach Hause schleppen mag, kann sich entweder im Laden in Ruhe alles aussuchen und sich die Leckereien nach Hause liefern lassen oder sogar zu Hause auf dem Sofa mallorquinisch online shoppen.

Am frühen Abend ging es dann wieder hoch auf „unseren“ Berg, wo sich buchstäblich Hund und Katze Gute Nacht sagten. Zu Abend konnte man in dem Hotel auch essen, wenn man sich bis 14 Uhr dafür angemeldet hatte. Omelette, Fisch oder Fleisch. Die Küche sehr regional, eher schlicht, aber lecker. Keine Pommes, kein Kinderbuffet. Tagsüber kehrten ab und zu Wanderer ein, die dort eine Pause einlegten, denn direkt oberhalb des Anwesens führt ein Wanderweg vorbei. Wir hatten es damit nicht so (zu heiß, die Kinder!). Wir hatten es mehr mit der Ruhe und konnten uns nicht sattsehen am blauen Himmel, den Bergen und der Bucht.

Unsere Badebucht in Port de Sóller.
Unsere Badebucht in Port de Sóller.

Und wie ich jetzt so in Hamburg auf dem Sofa sitze, denke ich, dass es höchste Zeit wird, den überübernächsten Urlaub zu planen, auf Mallorca. Vielleicht wieder dort. Ich weiß es noch nicht, ich bin Wechselbucher, ich bin selten irgendwo zweimal. Ich denke immer, hier musst Du auf jeden Fall nochmal hin! Und dann sehe ich ein anderes, neues Hotel und bin neugierig.

Aber Port de Sóller, ja, ich komme wieder.

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