Helsinki: Ein Wochenende bei den Finnen

Orangensorbet in Port de Sóller
Februar 20, 2017
Abschalten plus Adrenalin: Alvor an der Algarve
März 11, 2017

Helsinki: Ein Wochenende bei den Finnen

Ich gebe es zu: ich fröne ganz gerne mal dem Alkohol, dem Rausch, ich gehe im Winter gern in die Sauna, mit Kälte komm ich einigermaßen klar und manchmal werd ich auch schonmal melancholisch, gerne sogar. Den Norden liebe ich sowieso, auch den richtigen, den skandinavischen. Das alles da oben hat so eine Klarheit und Ruhe. Finnland fehlte mir noch.

Ein Flug nach Helsinki dauert ab Hamburg nur 1 Stunde 50 Minuten mit Fin Air. Natürlich ist das nicht das „richtige“ Finnland mit Sauna und Wodka (gleichzeitig) und anschließendem Sprung in den kalten See. Aber immerhin, Finnland light würde ich sagen. Zum reinschnuppern. Nach einem kurzweiligen und sehr entspannten und ruhigen (klar) Flug kamen wir an einem sehr entspannten, kleinen Flughafen an, an dem uns blonde Finninnen in Tracht sogleich mit Käsehäpppchen aus der Region versorgten. Es war schlappe 10 Grad kälter als gerade noch in Hamburg, aber wir waren vorbereitet. Und zwar so schlecht, dass ich mir am nächsten Tag einen Daunenmantel kaufte und neidisch auf alle war, die in gefütterten Fellstiefeln durch die Gegend stapften, während es meine zu Hause warm hatten.

Solo kalt in Helsinki, brrr...
Sooo kalt in Helsinki, brrr…

Nach dem Check-in im Hotelli Helka (die Finnen hängen gerne ein „li“ an ihre Wörter, was alles irgendwie total süß und sympathisch macht), erstmal direkt runter an die Bar und Alkohol bestellen. Wozu ist man schließlich in Finnland. Die Biersorten waren abenteuerlich und überwiegend aus Bayern. Möglicherweise steht Bayern einfach für Deutschland, denn eh mich versah, hatte ich einen halben Liter Weißbier intus. Na denn, Kippis! (Prost).

Die Innenstadt unterscheidet sich nicht groß von anderen europäischen Hauptstädten und ist mit etwas über 600.000 Einwohnern auch echt überschaubar und zu Fuß zu erkunden. Wir haben nicht einmal die Straßenbahn benutzt und (unserer Meinung nach) alles gesehen, was man gesehen haben muss. Besonders gefallen hat mir das Design Viertel mit vielen kleinen ausgefallenen Shops, Designmuseen, Cafés und Bars. Dort tummelten sich die Studenten, junge, hippe Familien und Künstler. In 10 bis 15 Minuten ist man von der City dort, zu Fuß. Auch abends ist es super dort zum Essen, Ausgehen und Feiern. Echt lecker und das alles in einer Atmosphäre inmitten vieler junger Finnen fanden wir es im Lungi. Ich fand’s super gut, um mal einzutauchen und die Leute zu beobachten. Und seitdem sind mir die Finnen auch einfach so sympathisch. Authentisch, lustig und gesellig.

Wenn man sie denn bloß verstehen würde! Oder wenigstens etwas lesen könnte. Den Stadtplan, das Menü, den Straßennamen. Aber nichts. Nichts kann man erahnen, sich zusammenreimen, aus anderen Sprachen kombinieren oder ableiten. Eine komplett verschlossene Welt, in der Stadtteile so süße Namen wie Kamppi oder Kluuvi haben. Das muss man doch einfach mögen! Dennoch ist die Sprache so skurril, dass ein Nicht-Finnne sie in seinem ganzen Leben nie richtig lernen könnte. Zumindest habe ich das mal gelesen. Was ich aber lesen konnte ist, dass es am Senatsplatz im historischen Stadtkern von Helsinki ein Café Engel und sogar ein gleichnamiges Kino gibt.

Café Engel in Helsinki
Café Engel in Helsinki

Das Café befindet sich in einem der ältesten Steinhäuser der Stadt und ist nach dem Berliner Architekten Carl Ludwig Engel benannt, der den Senatsplatz geplant hat. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum Hafen, wo die großen Fähren anlegen, wo man sich in der Markthalle mit allerlei Leckereien eindecken und stärken kann, wo sich das Riesenrad dreht.

Der Hafen von Helsinki, Anleger für Kreuzfahrer aus aller Welt
Der Hafen von Helsinki, Anleger für Kreuzfahrer aus aller Welt

Und da steht auch er: der Bad Bad Boy des finnischen Skulpteurs Tommi Toija. Eine riesige Statue mit einem winzigen oops. Was er uns damit sagen will? Ich weiß es nicht, aber witzig sieht er auf jeden Fall aus.

Doch am meisten beeindruckt hat mich die Architektur im Hafenviertel. Gespenstisch große Altbauten, riesige Gebäude. Willkommen in Russland, war mein erster Gedanke. Klar, bis Russland ist es von Helsinki nur ein „Katzensprung“, 384 Kilometer sagt mir Google. Und genauso stelle ich es mir davor. Es war nieselig und grau an dem Tag. Und kalt. Diese feuchte Kälte, die überall durchkommt. Und dann dieses Russland-Feeling dazu. Die Melancholie war perfekt. Da war sie also.

Fazit: Ich war nicht in der Sauna, in keinem See und habe keinen Wodka getrunken. Aber ich war in Finnland, nach knapp zwei Stunden Flug war ich in einer anderen Welt, bei einem anderen Völkchen. Und das konnte ich spüren. Nächstes Mal: Finnlands Norden. Dann richtig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.